withstanding

Drei von der Mental Load ihres hektischen, jedoch vereinsamten Alltags zerrüttete Frauen erstarren eines Tages und werden vom staatlichen Gesundheitsdienst in ein Rehazentrum eingeliefert. Die ihnen verordnete Therapie: Durch achtsame Häkel-, Yoga- und Haustier-Übungen wieder auf Schiene gebracht zu werden. Doch anstatt Heilung zu erfahren, sind es ihre Körper, die beginnen gegen ein System aufzubegehren, dass seit Generationen Frau* in Schach hält.

Als ich die Frauen um mich herum in ihrem Alltag beobachtete, begann ich mir die Frage zu stellen: Wie kann es sein, dass du als Frau* ständig alles gibst und dennoch scheint es nie genug zu sein, nie zu reichen? Es liegt wohl in der DNA unseres sozioökonomischen Systems: Die unbemerkte Ausbeutung des Frau*-Seins

– Autorin & Regisseurin

Jeden Tag leisten Frauen weltweit 16 Milliarden Stunden unbezahlte Care Arbeit. Im Durchschnitt verbringen Frauen damit täglich 2,5 mal mehr Zeit mit unbezahlter Sorgearbeit als Männer. – UN Women 2025

Neoliberale Labels wie Supermum, Powerfrau, Girlboss vertuschen unschuldig, was von weiblich* sozialisierten Personen gesellschaftlich abverlangt wird. Dass wir systematisch mit Sorgearbeit und der damit verknüpften mentalen Last allein gelassen werden. Es beutet uns aus und macht krank, lässt uns überlastet, burnt out, traurig, depressiv, wahnsinnig zurück. Vielleicht ist es genau dieser Wahnsinn, der das System zu stören vermag.

withstanding ist eine persönliche Geschichte. Sie basiert auf meiner langjährigen Erfahrung von Depression, chronischer Überlastung und körperlichem Dauerstress. Denn als weiblich sozialisierte Person neige ich dazu, mich selbst zu verausgaben. Als fürsorgende Enkelin, als Nichte eines beeinträchtigten Onkels, als Tante zweier Kleinkinder, aber auch als Partnerin und Tochter.

Schon in meinen frühen Zwanzigern habe ich gelernt, dass Care Arbeit, der Stoff, der unser Leben zusammenhält, einen schonungslos zerreiben kann. Weil sich-um-andere-Kümmern Unmengen an Zeit, Energie und emotionale wie psychische Ressourcen verschlingt. Und doch scheint es nie genug zu sein.

Als ich über meine Lebensrealität und die der unglaublichen Frauen in meinem Umfeld reflektierte, fiel mir eine Dynamik auf, die der wissenschaftlichen Forschung zwar bekannt ist, aber in der öffentlichen Debatte kaum Beachtung findet: Dass wir als Gesellschaft die Arbeit von Frauen* ausbeuten, ihren Geist und ihre Körper überbeanspruchen. Und dass die kapitalistische und patriarchale Struktur unserer Gesellschaft einerseits davon lebt und andererseits immer mehr fordert.

Mein Antrieb als Autorin und Regisseurin liegt darin, etwas aus den weiblichen* Geschichten mitzunehmen, die ungewollt und gewollt auch immer schon die meinen und die der Frauen in meinem Umfeld waren. withstanding ist ein Film für FLINTA*, die sich in der von uns gewebten Erzählung, den von uns bewegten Körpern und den von uns gezeichneten Bildern wiederfinden und verlieren können. Der Film möchte Raum für eine persönliche Debatte schaffen und Fragen um den Status quo und mögliche Zukunftsvorstellungen von Zusammenleben aufwerfen.

Drei Frauen werden eines Morgens von der Überlastung ihres Alltags in Isolation eingeholt und erstarren. Ein Transportservice des Gesundheitswesens zieht die dysfunktionalen Frauen ein und liefert sie an ein Rehazentrum, in dem sie mittels einfacher Achtsamkeitsübungen wieder eingerenkt werden sollen: Häkeln, Vogelkontakt und Yoga sind die Beschäftigungstherapien, denen die drei Frauen eine Woche nachgehen sollen. Doch die Aktivitäten ziehen nicht die intendierte Wirkung nach sich. Gefangen in den monotonen, scheinbar sinnlosen Tätigkeiten verlieren Laura, Helen und Irmgard zunehmend sich selbst. Allmählich beginnen ihre Körper von den Erfahrungen zu erzählen, die ihr Leben belasten. Was sozialem Kontakt und emotionaler Unterstützung in der surrealen Reha-Einrichtung am nächsten kommt, sind die Beziehungen, die die Frauen zu den Gegenständen in ihrer Umgebung aufbauen.

withstanding ist einerseits ein absurdes narratives Drama. Es ist aber auch ein konzeptioneller Film. Mit ihm möchten wir etwas schaffen, das mehr als nur “eine Geschichte” erzählt, sondern auf einer tieferen Ebene die menschliche bzw. weibliche* Erfahrung berührt und irritiert. In einem intensiven Probenprozess werden mein Team und ich die Geschichten mit den Lebenserfahrungen und Körpern unserer engagierten, tollen Darsteller:innen verweben. Im Mittelpunkt unserer Vision steht ein experimenteller Spielstil, der die Bedürfnisse des weiblichen* Körpers ebenso wie die an ihn gestellten Erwartungen erforscht.

withstanding bringt ein Team junger, überwiegend weiblicher Filmschaffender zusammen, die nach einer ästhetischen und filmischen Weise suchen, ihre Erfahrungen mit und Sichtweisen auf die Welt zu verarbeiten. Darin versuchen wir ebenso an einer weiblichen* Perspektive zu arbeiten, die feministische Forderungen unterstützt und weiterentwickelt. So fördert unser Projekt Frauen* im Film auf verschiedenen Ebenen.

v.l.n.r.: Kim Deborah Hufnagl, Sophie Wuschitz, Anna Viola Haderer, Vanessa Raiger, Lisa Kügerl, Lara Pretz, Antonia Matschnig

Kim Deborah Hufnagl – Autorin/Regisseurin

Sophie Wuschitz – Producerin/Produktion

Anna Viola Haderer – DOP

Vanessa Raiger – Regieassistenz

Lisa Kügerl – AD

Lara Pretz – Marketing/Social Media

Antonia Matschnig aka Antonia XM – Filmmusik